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Als wir vor vielen Jahren angefangen haben, Tangokurse in Potsdam anzubieten, war dieser Tanz zwar in Berlin schon weit verbreitet, für die
Potsdamer aber war Tangotanzen doch noch etwas sehr fremdes.
Es war für Kurth und mich sehr spannend, zu versuchen, den Tango in eine Stadt zu bringen, in der es ihn bisher noch nicht gab und zu versuchen, auch Potsdam zu einer Stadt zu machen,
in der der Tango lustvoll zelebriert wird.
Anfangs waren wir froh, wenn drei oder vier Paare unsere Kurse besucht haben, und auch heute, nach so vielen Jahren gemeinsamer Unterrichtspraxis in Potsdam gibt es manchmal
Kurse, in denen nur wenige Paare versuchen, die kleinen Geheimissen von Führen und Folgen zu erlernen.
Die Zahl der Tangotänzerinnen und Tänzer wächst jedoch kontinuierlich und beständig.
Von Anfang an hatten wir dabei die herzliche Unterstützung von vielen Potsdamer Kulturinstitutionen, die es uns ermöglicht haben, kleine Tanzabende und sogar größere
Tangofeste zu veranstalten, und so gab es bisher Tangoabende im Waldschloß, in der fabrik, im Al Globe, auf dem Theaterschiff, im Filmmuseum, im Nikolaisaal und drei große Feste auf dem Neuen
Markt. Die großen und kleinen Feste sind natürlich für all die, die mittlerweile schon tanzen können, ein schönes Erlebnis, aber auch Zuschauer genießen
die Musik und den Anblick der Tanzenden. Nicht selten bekommen die Zuschauenden dann Lust, beim nächsten Tanzabend mittanzen zu können, und so freuen wir uns, daß es von Fest zu Fest mehr
Tangotänzerinnen und Tänzer in Potsdam gibt.
Miteinander zu tanzen und gemeinsame Tanzfeste zu feiern durchbricht die zunehmende Kommunikationsarmut, die das moderne Leben so mit sich bringt. Der Tango ist ein authentischer gefühlvoller
Ausdruck von Alltagserfahrungen, Gefühlen und ihrer Verarbeitung. Er ist das Produkt des Zusammentreffens verschiedener kultureller Einflüsse wie des Candome (ritueller Tanz, der von der
afrikanischen Ostküste nach Südamerika verschleppten Sklaven), der Habanera (Tanz aus Spanien und Kuba) und der Milonga (ländlicher kreolischer Tanz).
Enstanden ist er vor über hundert Jahren in den Armenvierteln und Vorstädten von Buenos Aires und Montevideo. Auch die Einwanderer aus ganz Europa trugen stets zur wechselseitigen
fruchtbaren Weiterentwicklung des Tango argentino bei (so kommt das Bandoneon, das mittlerweile zum wichtigsten stimmungsgebenden Instrument des Tango argentino geworden ist, ursprünglich aus
dem Erzgebirge).
Der Tango als Tanz- und Musikform ist ein typisches Beispiel für die Kreativität einer multikulturellen Gesellschaft. Der Grundgedanke daran, dass die Tänze der Welt den Menschen eine
Möglichkeit bieten, den Charakter der verschiedenen Völker ergründen zu können, war es, der Kurth zum Tänzer werden ließ. Die Lust, dies auch anderen als Sprache der Verständigung
zu vermitteln, führte schließlich schon damals dazu, diese Tänze zu unterrichten. Als dann in den frühen achtziger Jahren der argentinische
Tango auch in Europa wiederentdeckt wurde, ergründete Kurth diesen Tanz mit den bis dahin gesammelten Erfahrungen, die Tänze der Welt zumeist von Tänzern
gelernt zu haben, die keine dem europäischen Standart angepassten Unterrichtskonzepte anwendeten. Dabei ist sein Interesse vor allem auf die bei der spontanen Interpretation der
Musik entstehende Kommunikation zwischen den Tanzpartnern ausgerichtet. Die Tatsache, dass der argentinische Tango weltweit getanzt wird und damit eine übergreifende verbindende Funktion
zwischen den Menschen erfüllt, veranlasste ihn, sich näher damit zu befassen. Sein lebendiger Tanzstil erregte das Interesse anderer Tänzer, die ihn dazu veranlassten, seine im Tanz
gewonnenen tänzerischen Einsichten weiterzugeben. Seither entwickelte er ein Unterrichtskonzept, welches vor allem auf die beständige nonverbale Kommunikation der Tanzpartner während des Tanzes
ausgerichtet ist.
Für Mona war die Lust auf Berührungen und spielerische körperliche Nähe der Beweggrund sich nach jahrelangem Judo-Training auch fürs Tanzen zu interessieren. Die weiche fließende
Musik des Tango sprach sie hierbei in besonderem Maße an.
Die Musik ermöglicht und fordert einen Tanzstil, der nicht nach genau festgelegten Schrittfolgen getanzt wird, sondern bei dem es darauf ankommt, dass das Paar sich stets aufs Neue erspürt und
findet.
Außerdem reizte sie am diesem Tanz die subtile Rolle der Folgenden zu ergründen, ist es doch nur scheinbar eine passive Rolle, die die Frau im argentinischen Tango tanzt. Vielmehr ist, wie bei
einem guten Judo-Kampf auch, ein beständiges Hin und Her, ein Miteinander-Verweben, ein Erspüren des Gegenübers unerläßlich, um zu einer
gemeinsamen Harmonie im Tanz finden zu können.
Kurth und Mona tanzten sich 1993 in einem der Berliner Tango Ballsaäle über den Weg. Die Lust am Tanz und aneinander ließ sie zunächst miteinander die Nächte durchtanzen. Beim Tanzen
und auch bei vielen gemeinsamen Besuchen von workshops verschiedener argentinischer Maestros, entdeckten Sie für sich Prinzipien von Führen und Folgen, die die argentinischen Meister
oftmals rein intuitiv anwenden auch zu reflektieren und zu analysieren. Die entdeckten Geheimnisse, die Paare so scheinbar mühelos miteinander tanzen läßt, als seien sie durch
eine geheime Magie miteinander verbunden, wollten sie dann schließlich auch anderen Tanzwilligen vermitteln. Die beiden, die als "duo sentimiento" ab und zu auch als Tanzpaar
auftreten, unterrichten grundsätzlich als Paar. Das ermöglicht -über den visuellen Lerneffekt hinaus- in besonderem Maße die Erfordernisse der führenden und folgenden Rolle zu thematisieren
und detailliert, individuell und achtsam auf den körperlichen Ausdruck der Tänzerinnen und Tänzer einzugehen. In Anfängerkursen werden einfache Schritte und ihre Kombinationen gelernt. Von
Anfang an wird geübt, die erlernten Schritte untereinander zu verbinden und miteinander zu kombinieren und schon beim Erlernen der ersten Tangoschritte wird das Gefühl für die besondere
Tanzhaltung des argentinischen Tango vermittelt. Da die meisten Lernenden keine geborenenen Tänzerinnen und Tänzer sind, gibt es im Unterrricht viele
spaßbringende Übungen, die nach und nach die Verbindung von Kopf und Bauch herstellen.
Infos und Anmeldungen unter www.sentimiento.de. |
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